Aus Schwächen Stärken machen

Michael Ortner

Wie hast du angefangen?
Mit 16 Jahren wollte ich nach dem Abitur eine Weltreise machen und Millionär werden. In den Ferien habe ich als Segel und Surflehrer in Frankreich gearbeitet, im Winter als Skilehrer in Mittenwald. Nach dem 11. Schuljahr war ich 18 Monate im Ausland, England, Frankreich und Belgien, um die Sprache und Menschen kennenzulernen.
Ich hatte schon damals, mit 20 Jahren, die Verantwortung für 30 internationale Jugendliche auf dem Wasser, die sowohl aus sozialen Brennpunkten als auch aus gutbehüteten Elternhäusern kamen.

Was hast du gelernt?
Offen gegenüber Menschen zu sein, die Sprache und Symbolik eines Landes zu verstehen und vor allem, dass „Mann“ mit einem kleinem Gehalt ein angenehmes Leben führen kann. Bis „Mann“30 Jahre alt ist.
Ein weitere Erkenntnis ist auch, nicht was dir gehört sondern, was du benutzen kannst, ist wichtig.

Was hast du nach dem Zivildienst gemacht?
Geplant hatte ich ein Banklehre bei der Barclays Bank in Jersey. Der Black Friday 1987 kam ungünstigerweise dazwischen und damit das Anschreiben, dass zur Zeit nur noch Einheimische angestellt werden und keine Ausländer. So wurde es ein BWL Studium in Köln.

Hast du zu Ende studiert?
Nein, 1988 machte ich mich selbständig. Die Propädeutik Scheine schaffte ich noch, aber es wurde zu viel.

In welchem Bereich hast du dich selbständig gemacht?
Technischer Dienstleister in der Gastronomie. Als Einstiegsvoraussetzung musste ich die Verbindlichkeiten eines Gesellschafters gegenüber seinen Gläubigern von DM 60.000.- auf DM 18.000.- reduzieren, sonst hätten die Gläubiger den Gesellschaftsanteil der GmbH gepfändet.

Hat es geklappt?
Ja, aber nach 13 Monaten verabschiedete er sich von uns, 1 Tag nachdem wir unsere erste Immobilie kauften. Nun lernte ich Anwälte kennen und dass Verträge meistens nur das halten, was sie versprechen, wenn man sich vertr(a)ägt. Trau, schau, wem!

Wie ging es weiter?
Ich fand einen neuen liebenswerten Gesellschafter, der heute noch mein Partner ist. 1992 ging das gleiche Spiel mit dem letzten Gründungsgesellschafter weiter.
Hier war die Auseinandersetzung: „Es ist einfach nach oben zukommen, aber es ist schwierig oben zu bleiben.“ Sehr leidiges Thema. Er hatte keine Antwort darauf, oben zu bleiben. Meine Antwort war, Strukturen schaffen und Mitarbeiter einstellen.

Wie bist du mit der Situation umgegangen?
Ich habe mir einen Moderator gesucht, die Gespräche sind sehr emotional verlaufen. Die „Geschäftsanteile“ habe ich in 3 gleich große
Anteile aufgeteilt. Wie in der Bibel, ich bekam den Anteil den keiner haben wollte. Die Verhandlungen waren nicht einfach, insbesondere, da der Moderator ein sehr guter Freund von mir war und noch heute ist. Der Moderator ist seit diesem Zeitpunkt mein Geschäftspartner. Die Geschäfte liefen von da an formidable. Der Befreiungsschlag hat viel Geld gekostet, aber er hat uns resetet. Das mit dem Geld habe ich zu diesem Zeitpunkt nicht so locker gesehen.

Wann hast du deine Frau kennengelernt?
Im Wonnemonat Mai 1991, kennengelernt hatte ich sie schon vorher, aber das mit der Weltreise und dem Millionär fand sie für einen damals 22 jährigen etwas sehr arrogant.Wir sind nun seit fast 20 Jahren zusammen und seit 2000 verheiratet. Unser Sohn wird im August 2011, 18 Jahre alt.

Was hast du im Dezember 1999 gemacht?
Im diesem Monat besuchte ich eine Messe in Mailand, für unsere geschäftlichen Aktivitäten steckte ich eine Kerze im Mailänder Dom an. Zu diesem Zeitpunkt war eine Punktlandung unabdingbar. Als Bauträger wurde uns im Jahre 2000 der Deutsche Betonpreis und eine Anerkennung der Wüstenrot Stiftung für das Projekt „ Kapla“ am Kölner Brett verliehen. Das war ein Jahr später, nachdem wir es geschafft hatten. Zeitgleich bauten wir unsere erste Gewerbeimmobilie in Köln Kalk. Heute ist die Entwicklung für jeden Externen logisch, zum damaligen Zeitpunkt galt: „Köln Kalk Verbot“.

Hast du dir Ziele gesetzt?
Natürlich, immer wieder und immer wieder Neue, wenn ich die Ziele erreicht hatte.
Unsere Ziele haben wir 1992 auf eine Tapete an die Wand genagelt, 5 Jahre später, bei einer Renovierung fand ich die Nägel noch in der Wand. Aus ihnen wurden die „Thesen Nägel“, sie hängen heute bei mir zuhause als „Kunstwerk“ an der Wand.

Sind dir Symbole wichtig?
An ihnen kann ich mich in schwachen Momenten orientieren, weil mich eine Emotion damit verbindet.

Was sind deine wichtigsten Werte im Leben und was verstehst du darunter?
-Fair miteinander umgehen.
-Definiere dein Ziel.
-Respekt vor dir selbst und mache nicht das, was
du nie machen wolltest mit dir oder Anderen.
-Finde den Spaßfaktor in der Arbeit.
-Dienstleistung steht an erster Stelle, verstehe
den Kunden und seine Bedürfnisse.
-Halte dich an dein Wort.
-Lerne aus Fehlern und mache sie nur einmal.

Was machst du heute?
Seit 2003 lebe ich in Forsbach mit meiner Familie.
Unsere Firma ist inzwischen eine Beteiligungs-Holding, die OSMAB AG, ursprünglich entstanden aus der Gastronomie Service Dahmen GmbH.
(In zwischen sind einige Unternehmungen durch Management-By-Out nicht mehr im Eigentum der Holding) OSMAB steht für die fünf Familiennamen der Aktionäre in zeitlicher Reihenfolge.Der Zusammenhalt unter uns 5 Gesellschaftern und der Einsatz unserer Mitarbeiter hat uns dorthin gebracht. Operativ als Geschäftsführer arbeite ich seit 2007 nicht mehr. Ein kontinuierlicher Informationsfluss zu den kreditgebenden Banken und das seit nunmehr 25 Jahren stetig gewachsene Vertrauen waren und sind ein wichtiger Baustein, der mich bis heute begleitet. Als „do it yourself“ Kommunikations Fachmann und Coach unterstütze ich Menschen auf dem Weg zu ihrem persönlichen Erfolg. Häufig werde ich nach „Geld“gefragt oder ob ich in eine Firma investieren möchte. Meine beharrliche Antwort ist, ich habe kein Geld, ich habe aber etwas, das „mann“ mit Geld nicht bezahlen kann:Erfahrung. Diese stelle ich gerne zur Verfügung. Freiberuflich begleite und führe ich Offroad Touren in Europa, Island und in Nord Afrika durch. 120 Tage verbringe ich in diesem Jahr mit dieser Arbeit im Ausland. Die Veranstaltungsreihe Wirtschafts-Gespraeche, mit der ich im Oktober 2010 startete, ist inzwischen 42 mal in 6 Formaten umgesetzt worden.
Wandern, Kochen & Zaubern, Kettensäge-Kurs, Offroad-Fahrschule, Cabrio Senic-Drive, Classic Car. Seit August 2012 unterstützt meine Frau mich sehr erfolgreich bei diesen Aktivitäten. Mit der Firma Kardioprevent habe ich eine Beratungsgesellschaft für B2C und B2B geschaffen. Ich habe gelernt, dass es einfacher ist über Marketing zu sprechen, als über die Notwendigkeit in der Breite Defibrilatoren zu installieren. Das ist uns bis jetzt 185 mal gelungen.

Vielen Dank für das Gespräch.